Erziehung im Farbkreis
Warum Erziehung heute oft nicht stattfindet
Junge Menschen brauchen Förderung und (Heraus-) Forderung, Führung und Weg-Weisung, sie suchen Vorbilder und attraktive Lebensziele, für die es sich lohnt, alle Kräfte einzusetzen.
Warum gibt es soviel Perspektivlosigkeit und Resignation? Ist dafür allein die schlechte Arbeitsmarktlage verantwortlich? Interessiert sich ein Kind für Arbeitsmärkte oder für das, was vielen Erwachsenen momentan wichtig erscheint? Mehr als Erwachsene leben Kinder im Jetzt, und sie haben ein Recht, jetzt zu leben.
In der Schule sollen sie sich nicht rühren und stillsitzen und vieles lernen, was sie eigentlich überhaupt nicht interessiert. Wenn sich ihre aufgestaute (Bewegungs-) Energie in Unruhe äußert, sind sie hypermotorisch und werden – schlimmstenfalls – medikamentös sediert, ruhiggestellt. Nachmittags und abends schaffen das Fernseher, gameboy und Video und Playstation ohne große Anstrengung.
Das eigene Leben, das eigentlich auch leiblich gelebt werden sollte, findet nicht statt. Der Einsatz der erwachenden Körperkräfte ist auf den Sport beschränkt, wo sie beim Nacheifern der Idole oft überstrapaziert werden. Sonst rührt sich nichts. Und doch befinden sich die Kinder und Jugendlichen ständig in einer Spannung, als würden sie die ungeheuerlichsten Abenteuer bestehen – liegend oder sitzend, auf der Couch oder im Sessel – mittendrin in einer sensationsgierigen Welt aus zweiter oder dritter Hand.
Die Vorbilder kommen aus Fußball, Film und Fernsehen, und wenn einer dieser Götter zugrunde geht, wollen seine heißesten Verehrer oft auch nicht mehr leben. Wirtschaftliche, soziale Probleme und die Scheidungsquote (zer-) stören den familiären Erziehungsraum und die cognitiven Inhalte der Schule, gebunden an ein aufklärerisches humanistisches Erziehungs-Ideal, das seine Wurzeln in den Gesellschaften hat, die vor 2000 Jahren in Rom und Griechenland existierten, haben durch ihre Lebens- und Praxisferne keine Chance, sich gegen die cognitiven Leckereien der Video-Welt durchzusetzen. Die außerschulischen Freizeiteinrichtungen fallen auf das sich dadurch entwickelnde Suchtverhalten herein und an die Stelle von persönlicher Begegnung und der Pflege von “Herz und Hand” (durch geeignete soziale und hand-werkliche Übungsfelder), treten wieder die Medien, die perfekte Konservenmusik, Spielhäuser und –hallen und was sich sonst noch eignen mag, das nun einmal erstarkte Suchtverhalten zu befriedigen. Mühsam unterdrückt man Agressivität und kriminelle Auswüchse.
Warum die Kinder gerne zum Farbkreis kommen
Die Medien schließen wir „kategorisch“ aus. Auch bei unseren Zeltlagern und Abenteuerfahrten sind walkman, gameboy u.s.w. „verboten“. Berg- und Fahrradtouren, Wald- und Höhlenexpeditionen, Schwimmen und Tauchen, Spiel und Sport nehmen Zeit und Kraft so stark in Anspruch, dass die Objekte der Suchtbegierden glatt in Vergessenheit geraten. Keiner vermisst sie. Am knisternden und funkensprühenden Lagerfeuer sind die Stimmen zu hören, die sonst durch perfekte Musikkonserven konsequent zum Schweigen verurteilt sind und geben unbekannten Melodien und Texten Klang und Farbe, deren Schönheit sonst nicht einmal zum Keimen kommt, geschweige denn zum Blühen.
In den Werkstätten riecht es nach Holz, Leim, Farben, verlocken die Hobel, Sägen, Stecheisen, Bohrer, Nägel, Schrauben, Beschläge zum Bauen und in die Hand nehmen – endlich mal die Hand und nicht immer nur der Kopf! - Jeder Kapitän baut sein Schiff, jeder Rennfahrer seinen Formel 1, jeder Vogelfreund sein Futterhäuschen oder seinen Nistkasten- jedes Stück ein Unikat. Wie groß muss das Loch sein für die Meisen?
Aus Ton die Kugelbahn, das Namensschild für meine Zimmertüre, eine Tasse mit Henkel für Mutters Geburtstag. Den Klumpen zuerst mit voller Kraft auf die Buchenplatte geschlagen, weich und geschmeidig folgt er jedem Fingerdruck, manchmal zu leicht: aus der Tasse wird eine Schale. Und außerdem: Matschen macht Spaß! Her mit dem Wasser!
Zur Entspannung für die strapazierten Handgelenke ein weicher Pinsel mit leuchtenden Farben über große Flächen. Was, die Zeit ist schon um? Zwei Stunden vergangen wie im Flug ...
Werd ich noch fertig? Kann ich es heute mit nach Hause nehmen? Ist meins schon gebrannt?
Bei uns können Eltern zusammen mit ihren Kindern werken oder ungestört Ausflüge in die eigene Kindheit unternehmen.
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